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Defossilisierung industrieller Prozesse durch Erzeugung von wirtschaftlich verwertbarem festem Kohlenstoff aus schwer/nicht vermeidbaren CO₂-Emissionen in industriellen Abgasströmen

Gebäude der TREA Breisgau

Verbundpartner

Verbundpartner
Organisation Partnerart
EEW Energy from Waste GmbH Verbundkoordinator
Karlsruher Institut für Technologie Partner
Fraunhofer Institut für Keramische Technologien Partner

Eckdaten

Akronym
NECOC2
Branche
Abfallwirtschaft
Laufzeit
01.09.2026 - 31.08.2029
Durchführungsort
Eschbach, Baden-Württemberg
Fördervolumen
5.333.400 €

Worum es geht

Bei der thermischen Verwertung von Abfällen entstehen prozessbedingt CO2-Emissionen, die sich technisch nicht vollständig vermeiden lassen. NECOC2 untersucht, wie dieses CO2 abgeschieden und anschließend in feste Stoffe umgewandelt werden kann. Dadurch kann es dauerhaft gebunden oder als Rohstoff weiterverwendet werden.

Am Standort TREA Breisgau der EEW Energy from Waste GmbH wird dafür eine Demonstrationsanlage aufgebaut, die mithilfe neuartiger poröser Materialien, sogenannter Metal-Organic Frameworks (MOFs), bis zu eine Tonne CO2 pro Tag aus dem gereinigten Rauchgas abscheiden soll. Anschließend werden zwei Nutzungspfade untersucht: Am Karlsruher Institut für Technologie wird das CO2 über mehrere Prozessschritte in festen Kohlenstoff umgewandelt. Das Fraunhofer IKTS bindet das CO2 bei der elektrochemischen Aufbereitung von Industrie- und Bergbauabwässern in stabilen Carbonaten. Abschließend werden beide Prozessketten technisch und wirtschaftlich bewertet und Konzepte für ihre industrielle Skalierung entwickelt.

Was neu ist

NECOC2 kombiniert erstmals eine MOF-basierte CO2-Abscheidung aus dem Rauchgas einer Abfallverwertungsanlage mit zwei unterschiedlichen Verfahren zur Herstellung fester Produkte. Die CO2-Abscheidung soll gegenüber der etablierten Aminwäsche weniger Energie benötigen und ohne korrosive Waschlösungen auskommen.

Anstatt das abgeschiedene CO2 zu transportieren und unterirdisch zu speichern, wird es perspektivisch direkt vor Ort in festen Kohlenstoff oder stabile Carbonate umgewandelt. Dadurch können CO2-Transporte per Pipeline, Bahn oder Lkw teilweise vermieden werden. Gleichzeitig entstehen potenziell wirtschaftlich verwertbare Produkte, die fossile Rohstoffe ersetzen können. Das Vorhaben entwickelt daraus ein modulares Gesamtkonzept, das sich grundsätzlich an unterschiedliche CO2-Quellen und Standortbedingungen anpassen lässt.

Was herausfordernd ist

Eine wesentliche Herausforderung ist die schwankende Zusammensetzung des Rauchgases aus der thermischen Abfallverwertung. Begleitstoffe und Feuchtigkeit können die Leistungsfähigkeit und Lebensdauer der eingesetzten MOFs beeinträchtigen. Gleichzeitig benötigen die nachgelagerten Prozesse CO2 mit einer gleichbleibend hohen Reinheit. Deshalb werden Rauchgas, abgeschiedenes CO2 und die verwendeten Materialien unter praxisnahen Bedingungen umfassend untersucht.

Auch die beiden Nutzungspfade stellen hohe Anforderungen. Die Herstellung von festem Kohlenstoff befindet sich insbesondere im letzten Prozessschritt, der Pyrolyse, noch im Entwicklungsstadium. Im Mittelpunkt stehen deshalb Untersuchungen zur Energieeffizienz, Reaktorgeometrie, Prozessführung und Skalierung sowie zur Qualität des erzeugten Kohlenstoffs für mögliche Anwendungen, etwa in der Baustoff-, Kunststoff- oder Energiespeicherindustrie.

Bei der elektrochemischen Wasseraufbereitung müssen sehr unterschiedliche Industrie- und Bergbauabwässer verarbeitet werden. Darüber hinaus müssen alle Teilprozesse – von der CO2-Abscheidung über Energie- und Wärmeversorgung bis zur Produktverwertung – technisch aufeinander abgestimmt werden. Diese Schnittstellen werden systematisch untersucht und in ein modulares Gesamtkonzept überführt.

Was daraus entstehen kann

NECOC2 kann einen wichtigen Beitrag zur Verringerung schwer vermeidbarer CO2-Emissionen aus der thermischen Abfallverwertung leisten. Die Umwandlung des abgeschiedenen CO2 in festen Kohlenstoff oder stabile Carbonate ermöglicht eine langfristige Bindung des Kohlenstoffs und kann gleichzeitig fossile Rohstoffe ersetzen.

Durch seinen modularen Aufbau lässt sich das Konzept grundsätzlich auf weitere CO2-Punktquellen übertragen, beispielsweise in der Zement-, Glas-, Keramik-, Eisen- und Stahlindustrie. Die dezentrale Umwandlung des CO2 in feste Produkte kann zudem den Bedarf an CO2-Transporten und geologischen Speicherstätten verringern. Darüber hinaus bietet die elektrochemische Wasseraufbereitung zusätzliche Einsatzmöglichkeiten an Industriestandorten und in Bergbauregionen, da sie CO2-Bindung, Wasserreinigung, Rohstoffrückgewinnung und Wasserstofferzeugung miteinander verbindet.