Laden

Prozessoptimierungen der Abscheidung und Rückgewinnung von CO₂ für eine umweltfreundliche Ressourcennutzung

Luftaufnahme der Müllverwertungsanlage Rugenberger Damm an der Köhlbrandbrücke

Verbundpartner

Verbundpartner
Organisation Partnerart
Stadtreinigung Hamburg AöR Verbundkoordinator
Universität Stuttgart Partner
COLIPI GmbH Partner

Eckdaten

Akronym
PARCO2UR
Branche
Abfallwirtschaft
Laufzeit
01.01.2026 - 31.12.2028
Durchführungsort
Freie und Hansestadt Hamburg
Fördervolumen
3.160.770 €

Worum es geht

PARCO2UR widmet sich der Abscheidung und Nutzung unvermeidbarer CO2-Emissionen im Bereich der Abfallwirtschaft. Verbundkoordinator ist die Stadtreinigung Hamburg AöR. Gemeinsam mit der Müllverwertungsanlage Rugenberger Damm, dem Institut für Energieverfahrenstechnik und Dynamik in Energiesystemen der Universität Stuttgart und der COLIPI GmbH wird untersucht, wie eine moderne Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft an einer Müllverwertungsanlage aussehen kann.

Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Versuchsanlagen – eine zur CO2-Abscheidung und eine zur CO2-Nutzung – welche an der Müllverwertungsanlage Rugenberger Damm in Hamburg in den Betrieb integriert werden. Das CO2 wird dabei mithilfe der Aminwäsche aus dem Abgas entfernt. Eine wässrige Aminlösung bindet das CO2 und trennt es aus dem Abgasstrom ab. Das abgetrennte CO2 wird in einem nachgelagerten biotechnologischen Prozess (Knallgasfermentation) zur Erzeugung von Ölen genutzt.

Was neu ist

Neuartig ist die Kombination der CO2-Abscheidung auf Basis der Aminwäsche mit einem innovativen Verwertungsverfahren zur biologischen CO2-Nutzung. COLIPI nutzt dafür das Verfahren der Knallgasfermentation, bei welchem die Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff (Knallgasreaktion) die notwendige Energie für spezielle Mikroorganismen liefert, um das CO2 zu verstoffwechseln. Diese Mikroorganismen wandeln letztlich das CO2 in Öle um, aus denen Produkte wie Kunststoffe oder PVC-Böden hergestellt werden können. Ein wesentlicher Vorteil des Ansatzes ist, dass das abgeschiedene CO2 aus der Aminwäsche gasförmig genutzt werden kann, sodass auf eine aufwendige Verflüssigung und Verdichtung des CO2-Stromes verzichtet werden kann.

Die Techniken zur CO2-Abscheidung sind aus anderen Industriezweigen und in der Wissenschaft bereits bekannt, für eine flächendeckende Anwendung der CO2-Wäsche in Hausmüllverbrennungsanlagen jedoch noch nicht ausreichend entwickelt.Die Projektpartner testen daher zusätzlich, mit welchen Aminen der Prozess optimiert werden kann und dadurch Energie und Ressourcen gespart werden können.

Die Universität Stuttgart untersucht den Anlagenbetrieb mit Messkampagnen und prüft zusätzlich im halbtechnischen Maßstab, wie eine sauerstoffangereicherte Verbrennung (auch "Oxy-Enriched-Verfahren" genannt) die CO2-Abscheidung beeinflussen kann.

Was herausfordernd ist

Müllverwertungsanlagen stellen besondere Anforderungen an die CO2-Abscheidung. Die Zusammensetzung des Abfalls und damit auch des Abgases schwankt. Spurenstoffe und Emissionsspitzen können die Stabilität der Aminlösung beeinträchtigen, die Abscheideleistung verringern oder den Bedarf an frischem Waschmittel erhöhen. Deshalb werden alternative und neuartige Aminlösungen untersucht, die energieeffizienter und beständiger sein könnten.

Anspruchsvoll ist außerdem der direkte Einsatz eines realen abgeschiedenen CO2-Stroms mit möglichen Verunreinigungen in der Knallgasfermentation.

Was daraus entstehen kann

PARCO2UR kann wichtige Grundlagen dafür schaffen, CO2-Abscheidung und CO2-Nutzung an Müllverwertungsanlagen in größerem Maßstab einzusetzen. Die Ergebnisse können helfen, Aminwäscheverfahren besser an die Bedingungen der Abfallwirtschaft anzupassen und geeignete Betriebsstrategien für den Langzeitbetrieb zu entwickeln. Zugleich zeigt das Vorhaben, wie zukünftig aus unvermeidbarem CO2 mithilfe von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien ein Ausgangsstoff für neue Produkte werden kann.

Weitere Informationen

Projektseite des Unternehmens